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Blumen des Bösen · Bandarchiv 1992–2000Blumen des Bösen

Presse — Interviews

Wüste Welle

Wüste Welle · Interview · 10. Januar 1996

Am Nachmittag vor dem Konzert im Epplehaus, in dessen eigener Sendung auf der Wüsten Welle — zusammen mit Sober, die am selben Abend mitspielten. Die Band sucht sich „Kein Tag ohne Revolution“ und „Entre dos lenguas“ aus, erklärt den Titel der Single („Revolution eigentlich im Kleinen … du selber kannst etwas verändern“) und warum sie deutsch und spanisch singt und nicht englisch. Beim Rückblick auf 1995 fallen zwanzig Konzerte, eine kleine Deutschlandtour, ein Auftritt in Frankreich und der neue Saxophonist aus Tübingen. Der Moderator liest dabei denselben Text über die Band vor, der auch auf der Rückseite der Livekassette „umsonst + drinnen“ steht. Die Abschrift stammt von einer Maschine und ist nicht gegengehört. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, steht mit einiger Wahrscheinlichkeit Liedtext statt Rede; Liedtitel versteht die Maschine besonders oft falsch.

  1. Eine Stimme00:03

    Ja, 1996 und das Äppelhaus ist immer noch nicht untergegangen und wir sind wieder alle da, heute mit Nina. Ja, Nina bist du auch da?

  2. Eine Stimme00:12

    Ja, ja.

  3. Eine Stimme00:13

    Nina, Hans und Findi, der vielleicht erstmal die Technik macht und vielleicht auch was sagt. Und wir haben heute Gäste eingeladen. Zwei Bands, die heute Abend bei uns beim umsonsten Trimmen so gegen 10 Uhr, halb 10, 10 spielen werden. Und zwar ist es einmal Sauber mit, du bist die?

  4. Eine Stimme00:31

    Amina.

  5. Eine Stimme00:32

    Amina und Peter, gerade hereingeschneit. Und das erste Stück war auch gleich von euch. Das war ein schon sehr kräftiger Auftakt. Und das hieß?

  6. Eine Stimme00:42

    The Brute.

  7. Eine Stimme00:43

    Der Gewalttäter. Der Gewalttäter. Also kam da schon Text. Hat das damit zu tun, Gewalttäter schafft?

  8. Eine Stimme00:52

    Nö, das ist ungefähr wie beim Film Falling Down. Man muss sich vorstellen, etwas dicklicherer Mann mit Jogginganzug, der den ganzen Tag vor der Glotze sitzt und irgendwann mal durchdreht. Sommer ungefähr. Und mal aufräumen mit allem, was im Inneren passiert.

  9. Eine Stimme01:08

    Gut, und die nächsten sind die Blumen des Bösen mit Martin, Bernd, Arno. Es gibt natürlich noch andere, aber die sind noch unterwegs oder bauen schon auf. Und die Nina will mal... Der Gerry hat so einen schönen Text für euch geschrieben. Der ist in unserem Programm und den werden wir jetzt mal vorlesen, bevor er in den Annalen verschwindet. Und zwar zu Sober.

  10. Nina01:32

    Also heute spielen Sorber, die ihre energiegeladene Gitarrenmucke mit einer Prise Jazz und Funk würzen, dazu die anregenden Gegensätze von Male und Female Vocals untermischen und das Ganze zur musischen Abrundung mit einem coolen Groove umrühren.

  11. Eine Stimme01:48

    Danke, Gerti. Diese Gruppe spielt heute Abend bei uns, wo wir nachher noch ein Stück hören. Jetzt hören wir ein Stück mal von Blumen des Bösen. Und das heißt, welches habt ihr euch ausgesucht?

  12. Eine Stimme02:04

    Kein Tag ohne Revolution als erstes, ja.

  13. Eine Stimme02:06

    Ja, das kenne ich noch.

  14. Eine Stimme05:55

    waren die Blumen des Bösen, die heute Abend im Äppelhaus spielen, zusammen mit Soba. Sie sind hier im Studio und kein Tag ohne Revolution. Wie meint ihr das, Revolution so im privaten Bereich, für einen selber oder so? Was für ein Revolutionsbegriff ist das?

  15. Eine Stimme06:12

    Revolution eigentlich im Kleinen, also nicht irgendwie politisch gemeint, sondern Revolution, du selber kannst etwas verändern, schon im Kleinen, egal wo, um deine Umwelt, fang an, wo du denkst, dass es wichtig ist. revolution der eigenen körper eigenen zellen oder wie nein zum beispiel wenn ich mit irgendwas nicht einverstanden bin ob es jetzt umweltmäßig ist oder mit irgendwas hat nicht einverstanden dann kann ich anfangen und andere ziehen mit wenn ich anfange

  16. Eine Stimme06:40

    Wir haben uns ja schon mal vor längerer Zeit, mal Battle of the Band, als ich noch einen Nagel im Jugendhaus geschafft habe, das war, da habt ihr ja nicht den ersten gemacht, aber ich glaube, das war damals auch gar nicht möglich, weil der erste, da war schon die Band, die soll das einfach wahrscheinlich werden, das war so eine... Band mit ziemlich jungen 14-Jährigen, die ziemlich hart drauf waren und ins Mikrofon gerührt haben und das hat allen gefallen. Und da ist mir schon aufgefallen, dass ihr Texte ja ziemlich wert legt. Und Nina, wollt ihr euch noch zu den Texten?

  17. Nina07:17

    Ja, mir ist nur aufgefallen, wenn man halt eure Demo so anhört, dass meistens Deutsch gesungen wird und dann mal was Spanisch, da habe ich natürlich nichts verstanden. Und irgendwie hat man halt das Gefühl, dass es einfach für euch wichtig ist, die Texte irgendwie rüberzubringen.

  18. Eine Stimme07:33

    Es ist vor allem wichtig, die Texte in Deutsch rüberzubringen. Also die Sache, die uns im Kopf rumgeht, die brauchen wir nicht umständlich zuerst in Englisch übersetzen oder so. Also Spanisch dazu ist ja eher Muttersprache. Aber da großartig rumhambeln mit Englisch und so, ist nicht unser Ding. Also wenn dann schon, so wie man es auch denkt und wie man die Sache auch empfindet.

  19. Nina07:54

    Direkt an den Mann. Okay.

  20. Eine Stimme08:00

    Ja, hören wir mal, stimmt.

  21. Eine Stimme08:02

    Ein Wunschtitel vom Findi. Aber passt in die, das passt zu den ganzen femininen Stimmen von den Bands heute.

  22. Eine Stimme08:09

    Was für Stimmen?

  23. Eine Stimme08:10

    Femine.

  24. Eine Stimme08:11

    Femine Stimmen.

  25. Eine Stimme08:12

    Ja, weiblicher Gesang. Ah ja. Heute dominant. Ja, aber das ist von Invincible Limit.

  26. Eine Stimme10:53

    Wir warten alle auf Findys, Femines Stimmen, aber beide wären gerade Bier holen gegangen und jetzt lieber zu Sober. Nina, du wolltest noch was fragen zu Bandname oder was war das?

  27. Nina11:06

    Also ihr heißt Sober und dann steht immer drunter Booty Music und ja das wollte ich halt wissen, was damit gemeint ist. Habt ihr euch einfach selber nicht helfen können?

  28. Eine Stimme11:19

    Mit welchem jetzt? Mit Booty-Music oder so?

  29. Nina11:22

    Booty-Music vor allem, ja.

  30. Eine Stimme11:24

    Booty heißt ja, ist das Wort für Arschbacken und wurde dann immer weiter entwickelt, dass man eben dasjenige auch bewegen sollte. Und die Musik soll auch so sein, dass man auch dazu tanzen kann und dass man auch damit Spaß haben kann.

  31. Eine Stimme11:38

    Also Musik für Arsch und Ohren.

  32. Eine Stimme11:39

    Ach so, da haben wir halt nicht ins Wörterbuch geguckt, was Pudi heißt. Ganz klar.

  33. Eine Stimme11:46

    Ich bin doch nicht so tragisch.

  34. Eine Stimme11:48

    Nein, aber jeder in Bezeichnungswahn will jeder irgendwas haben. Und womit die Leute nichts anfangen können, da sind sie meistens still. Deswegen ist es ein ganz guter Name.

  35. Nina11:55

    Fragt keiner nach, klar.

  36. Eine Stimme11:59

    Gut, jetzt lese ich aus unserem schönen Programm noch was von Blumen des Bösen vor, weil der Gerry sich wirklich viel Mühe gegeben hat. Und zwar die subtil-melancholischen Texte rutschen durch die hochmelodischen musikalischen Arrangements und die glasklare und unschuldig wirkende Stimme der Sängerin nie in einen Depressionsgraben ab und bewahrt die Band somit vor trivialen Oberflächlichkeiten. Sollen wir noch weiterlesen? Ja, schmeißen weiter. Übrigens mussten die Jungs und Mädels bei ihrem letzten hiesigen Gig vor circa zwei Jahren genau drei Zugab... äh, Zugaben... Zugabenblöcke spielen, was die Qualität und Ausdruckskraft ihrer wunderschönen Sounds wohl am besten verdeutlicht. War Blumen des Bösen. Können wir heute Abend gespannt sein. Welches Stück haben wir jetzt eingelegt?

  37. Eine Stimme12:53

    Da ist was von Sober.

  38. Eine Stimme12:55

    Ja, von welches habt ihr ausgewählt? Erinnerst du dich dran? Muftschah. Muftschah? Das heißt doch nichts. Ist ja egal.

  39. Eine Stimme13:01

    Ich nenne es Muftschah, weil da auch Muftschah drin vorkommt.

  40. Eine Stimme13:06

    Telefon-Terror ist das. Und hier ist Äpplehaus und umsonst und trennen und live mit zwei Gruppen und Fendi fahr ab.

  41. Eine Stimme17:20

    Ja, ich möchte noch euch zu letztem Jahr fragen. Letztes Jahr, wie war für euch das letzte Jahr? Wo habt ihr gespielt und habt ihr überhaupt wo gespielt? Sicher? Jawohl.

  42. Eine Stimme17:32

    Ja, wir haben fünf Mal gespielt.

  43. Eine Stimme17:34

    War das eine kleine Tour oder waren das so Einzelgigs?

  44. Eine Stimme17:36

    Um Gottes Willen, uns gibt es seit März. Uns gibt es ja nicht so lange.

  45. Eine Stimme17:40

    Und ihr kommt in der Nähe von Stuttgart, oder?

  46. Eine Stimme17:42

    Ist durchwachsen. Wir beide kommen aus Tegel, der Tobi und ich.

  47. Eine Stimme17:46

    Ich komme aus Reutlingen und die anderen beiden aus Möhringen und Leinfelden. Aber wir proben in Leinfelden im Jugendhaus.

  48. Eine Stimme17:53

    Und wie war euer letztes Jahr so? Gute Sachen gehabt. Wo war was angenehmes? Guter Auftritt? Wo? Erinnert ihr euch noch?

  49. Eine Stimme18:01

    In Reutlingen. Wo war denn Reutlingen? Das war das Hades-Festival in der Kämmerer Halle. Und es war nett. Wir sind da zurückgekommen von der Bühne in den Backstage-Raum und plötzlich haben die anderen Bands geklatscht. Das war echt nett. Wir fanden es nicht so toll, aber immerhin.

  50. Eine Stimme18:16

    Das war ein nettes Erlebnis. Die waren halt froh, dass ihr fertig wart. Man muss immer sagen, die Leute sind da geblieben. Sie hätten auch alle gehen können. Stimmt, aber die hatten sicher noch irgendwas auf der Bühne. Wir werden es ja heute Abend sehen, wer heute Abend klatscht. Vielleicht wir, wir die Mitarbeiter klatschen dann. Ihr kennt uns ja nicht. Dann wisst ihr weshalb. Und ihr, Blumen des Bösen, letztes Jahr so?

  51. Eine Stimme18:41

    War phänomenal gut. Wir hatten 20 Konzerte, eine kleine Deutschland-Tour und eins in Paris. Und wir haben einen Saxophonisten gefunden aus Tübingen, den Korner.

  52. Eine Stimme18:50

    Ach endlich, ja. Das war eine lange Suche. Und Nina wollte was zu 1996 fragen.

  53. Nina18:57

    Ja, also Tour habt ihr jetzt letztes Jahr gemacht. Habt ihr irgendwie vor, eine CD zu machen oder eine Platte oder wieder eine Tour?

  54. Eine Stimme19:06

    Eine CD haben wir ja schon gemacht. Also gerade hier über dem Mutwerder Spaten, wo die zwei Titel da raus sind. Aber wir schreiben jetzt schon kräftig eine neue CD, die allerdings noch nicht datiert ist, wenn die erscheinen wird.

  55. Nina19:20

    Okay. Du hast gesagt, euch gibt es seit März. Habt ihr wohl noch nicht so viel vor, was so eine Platte rausbringen angeht?

  56. Eine Stimme19:30

    Vorhaben wir viel. Was dabei rauskommt, ist die andere Frage.

  57. Eine Stimme19:35

    Mal schauen, was so kommt. Jemand finkt uns. Die Platte zahlt.

  58. Eine Stimme19:39

    Auf jeden Fall gute, gute Gefühle von 1996 und viele musikalische Ideen, einfach Musik machen und euch, dass es euch weiter zusammengibt. Ja, mehr ist es ja nicht mehr. Also bei euch ist das ein, betrefft euch immer wegen der Musik hobbymäßig, weil ihr ja sicher überall anders wohnt oder wie habt ihr euch kennengelernt?

  59. Eine Stimme19:58

    Ja, übers Jugendhaus eigentlich. Und dann über ein paar Ecken.

  60. Eine Stimme20:01

    Und ich habe mit dem alten Mann früher schon mal in einer Band gespielt. Und Tobi, das war sehr kurios. Da habe ich eine gekannt. Und die hat Schlagzeugstöcke in seinem Auto gehabt. Ist aber mit seinem Auto gefahren. Habe ich sie gefragt und so weiter. Habe ich Telefonnummer gekriegt. Und obwohl er viel vorhatte an dem Tag, ist er sofort gekommen. Das ist unser Tobi. Das ist doch so schön im Leben, diese kleinen Sachen.

  61. Eine Stimme20:21

    Schlagzeugstöcke. Das sind Anekdoten. Und jetzt machen wir das letzte Stück. Es ist ja schon wieder leider gleich 19 Uhr. Wir hoffen, dass bald unsere Sendezeit vergrößert wird. Wir hoffen auch, dass heute Abend viele von euch kommen. Es ist ja die erste Sendung wieder im neuen Jahr. Ja, Sendung auch. Ich bin schon auf dem Radio. Erste Konzert im neuen Jahr. Und wie heißt das letzte Stück von euch, Blumen des Bösen?

  62. Eine Stimme20:49

    Entre dos lenguas. Das ist ein spanisches Lied.

  63. Eine Stimme20:52

    Sag es nochmal, es ist so schön.

  64. Eine Stimme20:53

    Entre dos lenguas.

  65. Eine Stimme20:55

    Ah ja.

  66. Eine Stimme20:55

    Hast du viel wie zwischen zwei Sprachen.

  67. Eine Stimme20:58

    Mhm. Gut. Fendi, hast du verstanden? Ja. Also los.

Woher das kommt

Mitschnitt von Wüste Welle, 10. Januar 1996 — eine Kassettenseite, zusammen rund 25 Minuten. Abgeschrieben hat die Aufnahme eine Maschine (WhisperX 3.8.6, Modell large-v3, Sprechertrennung pyannote community-1). Gegen die Aufnahme gehört hat diese Abschrift noch niemand.

Auf der Seite steht nur das Gespräch mit der Band. Aus der Abschrift der ganzen Sendung sind 67 Abschnitte als Gespräch erkannt worden, davon alle freigegeben. Was der Sender sonst spielte und sendete — Musik anderer Bands, Veranstaltungstipps, das Hörspiel — bleibt draußen, und die Tondatei selbst bleibt im Archiv. Die Rechte daran liegen nicht bei der Band.

Auch diese Grenze hat die Maschine gezogen, nicht ein Mensch. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, kann hier Liedtext stehen statt Rede; solche Stellen sind mit einiger Wahrscheinlichkeit fehlerhaft, und Liedtitel versteht die Maschine besonders oft falsch. Wer einen Fehler findet, möge ihn melden — berichtigt wird nach dem Hören.