Blumen haben Wurzeln
7 Bands · 1984 – 1992 · 8 übernommene Lieder · 8 Aufnahmen · 13 Filme · 84 Blätter
Die Blumen des Bösen fingen im Juni 1992 an — aber Martin Ullmann und Severin Schöllhammer spielten da schon acht Jahre zusammen. 7 Bands liegen davor, und einiges von dem, was später auf den Platten steht, war da längst geschrieben. Was hier steht, ist nicht vollständig: es ist das, was sich belegen läßt.
2-B-3
November 1984 – Mai 1987
Das erste Glied der Kette und die erste gemeinsame Band von Martin Ullmann und Severin Schöllhammer, gegründet am 20. November 1984 in Neuffen — er vierzehn, Ullmann fünfzehn. Über die Musik weiß das Archiv fast nichts — mit einer Ausnahme: „Mein Punk-mädchen“ entstand hier. Das Lied ging zu Hans & Die Bürste mit und dann zu Excalibur, wo es „Das Punk-mädchen“ hieß, weil die Sängerin Ado „nicht ‚mein …‘ singen über ein Mädchen“ wollte. Es ist das einzige Stück, das drei Bands dieser Reihe durchlief. Gespielt hat die Band zuletzt am 2. Mai 1987, auf einer privaten Party. Veröffentlicht ist von ihr genau ein Stück: „Do It Yourself“, 1987 aufgenommen, erschienen 1990 auf dem Kassettensampler „Peinlich peinlich ist hier alles“ — derselben Kassette, auf der „Das Punk-mädchen“ in der Fassung von Excalibur steht.
Quelle: Angaben an den Mitgliedern; den Zeitraum hat Severin Schöllhammer am 16. September 2026 auf November 1984 bis Mai 1987 präzisiert, die Herkunft des Liedes am 17. September. Der Abschiedsauftritt und der Sampler stehen in seiner Zusammenstellung vom 19. September 2026; die Titelfolge steht auf dem Inlay unten.
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Hans & Die Bürste
August 1987 – Januar 1988
Die einzige Band der Kette, die nie vor Publikum spielte: Kraut-Punk-Pop, im Kern ein Duo aus Severin Schöllhammer am Baß und MvS am Schlagzeug. Sie beginnt im August 1987, drei Monate nach dem Ende von 2-B-3, und läuft bis Januar 1988. Drei Gitarristen gaben ein Gastspiel, keiner blieb. Die Auftritte fanden im eigenen Proberaum statt, vor den Mitbewohnern des Wohnprojekts; getrennt hat man sich 1988 aus persönlichen Gründen. Einzige Veröffentlichung ist der Kassettensampler „Peinlich peinlich ist hier alles“ (Distel Tapes, 1990); seine Titelfolge nennt ein Stück der Band, „Einsam“. Kein Stück von ihr haben die Blumen des Bösen je gespielt, und ihre Aufnahmen bleiben auf Severin Schöllhammers Wunsch unveröffentlicht — zwei Lieder gingen aber zu Excalibur weiter: „Loreley II“, das hier entstand, und „Mein Punk-mädchen“, das schon 2-B-3 gespielt hatte. Überliefert sind zwei Auftritte, beide im Wohnprojekt selbst; datiert ist nur der zweite, der 17. Dezember 1987 — eine Weihnachtsfeier in der Gartenstraße in Tübingen.
Quelle: Severin Schöllhammer am 15. September 2026, 10:04, und am 16. September zur Einordnung in die Kette.
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Excalibur
April 1988 – September 1990
Gegründet im April 1988; die Besetzung, die das Archiv kennt, steht ab August 1989: Ado am Gesang, Ines am Schlagzeug, Martin Ullmann an Gitarre, Gesang und Baß, Severin Schöllhammer unter seinem damaligen Künstlernamen Punkmuckl. Managerin war Angi Henn, die sich „AH Fehlkauf“ nannte und Ende 1994 den Mailorder Pins & Artists betrieb — dessen Liste im Archiv belegt, daß aus Excalibur die Blumen des Bösen wurden. Vier Konzerte hatte die Band, drei davon durch Ton oder Bild belegt, das vierte nur durch die Erinnerung: zwei Abende beim Nachwuchsfestival im Z in Bernhausen, der 19. August 1989 und der 9. März 1990, dazu der 8. Dezember 1989 im Jugendhaus Pfalzgrafenweiler und ein Open Air an der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen am 2. September 1989. Der erste dieser Abende war die Bühnenpremiere von Martin Ullmann und Severin Schöllhammer — der Anfang von allem, was auf dieser Seite steht. Vom ersten Abend erschien die Kassette „Z“ auf Distel Tapes 003, handnummeriert — die Rechnung vom 2. Oktober 1989 belegt die Auflage: fünfzig Stück. Zwei Lieder brachte die Band aus den Vorgängern mit, „Loreley II“ von Hans & Die Bürste und „Das Punk-mädchen“, das bei 2-B-3 begonnen hatte. Drei Stücke stehen 1990 auf dem Kassettensampler „Peinlich peinlich ist hier alles“, und im Beiheft stellt sich die Band selbst vor — die genaueste zeitgenössische Auskunft, die das Archiv über sie hat: Ado kam im März 1989 dazu, Ines im August, und die vier Konzerte bestätigt sie schwarz auf weiß. Von ihren eigenen Stücken auf dem Sampler nennt sie allerdings nur zwei, während die Titelfolge drei führt.
Quelle: Umschlag der Videokassette „Konzerte 1989/1990“ und der Einleger der Kassette, beide unten, dazu die Rechnung. Severin Schöllhammers Auskünfte vom 7., 11. und 17. September 2026 — die Zahl der Konzerte und die Bühnenpremiere stammen von ihm. Die Seite im Beiheft des Samplers steht unten; nach seiner Auskunft hat Ines sie geschrieben.
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Hopeful Monsters
Mai 1990
Keine Band, sondern ein Name, der im Raum stand. Nach dem letzten Excalibur-Konzert im März 1990 machten Martin Ullmann und Severin Schöllhammer nur noch zu zweit Musik — ohne Schlagzeug, ohne Gesang, ohne Konzerte. Sie sprachen darüber, wen sie fragen könnten und wie die Sache heißen solle; „Hopeful Monsters“ war eine der Ideen, „Die Blumen des Bösen“ eine andere. Ernst wurde die Frage erst, als sich im Januar 1991 wieder eine ganze Band fand.
Quelle: Angabe an den Mitgliedern; erklärt von Severin Schöllhammer, Signal-Gruppe, 17. September 2026.
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Nixfits
30. Mai 1990
Eine Band für einen Tag. Gerri — Gernot Rothhaar —, Martin Ullmann und Severin Schöllhammer spielten am 30. Mai 1990 zusammen, coverten Klassiker, improvisierten und spielten zwei Excalibur-Lieder. Den Namen gaben sie dem Tag erst nachträglich: eine Anspielung auf The Misfits, die sie alle drei mochten, und auf den eigenen nicht besonders fitten Zustand. Am selben Tag entstand ein kurzer Super-8-Film.
Quelle: Severin Schöllhammer am 12. September 2026, dazu die fünf Blätter unten.
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Flowers of Evil
Januar – Oktober 1991
Im Januar 1991 als Quartett gegründet, im März das Debüt mit den Schwarzen Schafen und Broken Toys, im April kam eine Sängerin dazu, die im September wieder ging, danach Nina. Es blieb bei diesem einen Auftritt — dem 27. März 1991 in Filderstadt, den das Fanzine Think Nr. 17 bespricht. Im Oktober war Schluß, nach dem eigenen Nachruf durch eine geplünderte Bandkasse. Der Name war ein Kompromiß: Ullmann und Schöllhammer wollten schon damals den deutschen, die beiden anderen waren dagegen. Kurz vor dem Ende stellten sie eine Kassette zusammen mit Proberaumaufnahmen aller Lieder, die sie je gespielt hatten — fünfzehn Titel.
Quelle: Kassettenhülle 1991 unten, der Nachruf im Beiheft von „Der erste Versuch“, Think Nr. 17 und Severin Schöllhammers Auskünfte vom 5. und 11. September 2026.
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Allied Aliens
Ende 1991 – Anfang 1992
Zwischen dem Ende der Flowers of Evil im Oktober 1991 und der Gründung der Blumen des Bösen im Juni 1992 liegt ein halbes Jahr, und es gehört dieser Band: einer Hardcore-Gruppe mit Proberaum im Epplehaus in Tübingen — Severin Schöllhammer am Baß, noch als Punkmuckl, Squid (Stefan) am Gesang, Raimond an der Gitarre und ein chilenischer Schlagzeuger, dessen Namen niemand mehr weiß. Es blieb bei zwei Abenden. Zum ersten, am 20. Dezember 1991 im eigenen Haus, kam der Sänger erst in letzter Minute auf die Bühne; im Publikum stand Marty González Martín, die eigens gekommen war, um Severin zu sehen — ein halbes Jahr, bevor die beiden dieselbe Band gründeten. Zum zweiten, am 24. Januar 1992 im JuZ Hechingen, erschien der Schlagzeuger nicht. Danach war Schluß.
Quelle: Severin Schöllhammer am 15. September 2026, 9:34; Datum, Ort und die mitspielenden Bands stehen auf den beiden Blättern unten.
Und nebenher — was zur selben Zeit lief, aber nicht in die Reihe gehört:
Dark Entries
schon vor Juni 1992 bis mindestens 1993
Die Reutlinger Gothic- und New-Wave-Band, in der Martin Ullmann schon vor der Gründung der Blumen des Bösen spielte und dann parallel blieb; auf ihrem ersten Demo von 1993 ist er noch dabei. Die beiden Blätter unten nennen zwei Abende — den 17. November 1992 in der Bastille in Reutlingen und den 20. Mai 1993 in der Zelle. Der erste ist im Archiv doppelt bemerkenswert: in derselben Bastille spielten die Blumen des Bösen vier Wochen später, am 15. Dezember 1992. Ob das zusammenhängt — ob Martin Ullmann an jenem Abend den Termin für die andere Band ausmachte —, weiß auch er nicht mehr: „es ist nur Spekulation.“ Was die beiden Blätter zeigen, ist schlicht, daß er in jenem Winter in zwei Bands parallel spielte.
Quelle: Severin Schöllhammer am 17. September 2026, 9:40; die Termine stehen auf den Blättern selbst.
Juni 1992: Die Blumen des Bösen. Den deutschen Namen wollten Ullmann und Schöllhammer schon 1991; damals setzten sie ihn nicht durch. Die erste Demokassette vom August 1992 dokumentiert deshalb keinen Anfang, sondern eine Übernahme — von ihren sechs Stücken stammen fünf aus den Bands auf dieser Seite.
Severin Schöllhammer, 11. September 2026, nachgerechnet an der Trackliste. Weiter zur ersten Demokassette und zur Besetzung.