Jugendzentrum Nagold, Battle of the Bands
Jugendzentrum Nagold · Interview · 3. Juli 1993 · Hans Siebert
Das früheste bekannte Interview der Band — ein Jahr vor dem Gespräch im Kaktus-Fanzine, zwei Jahre vor dem ersten Besuch im Freien Radio. Hans Siebert leitete das Jugendzentrum Nagold und befragte die Gruppen des Abends vor ihrem Auftritt; die Blumen des Bösen waren die fünfte von neun. Severin Schöllhammer erklärt darin den Bandnamen („Das war damals einfach mein Lieblingsbuch“) und warum er keine Textblätter verteilt, Marty González Martín spricht über den Blickkontakt zum Publikum. Nebenbei fällt eine Angabe, die sonst nirgends steht: die Band hatte schon Jahre zuvor in Nagold spielen wollen, „wo wir noch einen anderen Gruppennamen hatten“. Aufgenommen ist das Gespräch auf Film; er steht im Videoarchiv.
Hans Siebert
Also wieder mal eine Gruppe. Wir haben ja insgesamt neun Gruppen. Und jetzt sind es die Blumen des Bösen. Und ihr, ziemlich erwartungsvoll, habt ihr schon Soundcheck gemacht?
Marty
Jaja, klar.
Hans Siebert
Und so einigermaßen gegangen oder hat es noch nicht ganz geklappt?
Marty
Nö, also es hat eigentlich gut geklappt, weil normalerweise ist es schwer meine Stimme zu verstärken, aber diesmal ist es gut durchgedrungen, auch die Querflöte.
Hans Siebert
Also du bist die Sängerin?
Marty
Ja, genau.
Hans Siebert
Wie meinst du, die Sängerin ist wahnsinnig wichtig, weil sie den Kontakt zum Publikum herstellt oder ist das nicht so wichtig?
Marty
Doch, das finde ich schon wichtig. Früher habe ich das noch nicht so ganz kapiert. Aber jetzt versuche ich, wirklich Kontakt, Blickkontakt auch mit dem Publikum herzustellen. Und ich finde, das wirkt ziemlich arg. Also selbst wenn man manchmal einen Pannen macht oder so, wenn man dann wirklich Kontakt mit dem Publikum hat, wie anlächelt oder so, dann bringt das viel.
Hans Siebert
Also eine Gruppe ohne Sänger oder Sängerin hat es schwer.
Marty
Würde ich sagen, ja. Es kommt natürlich auf den Charakter an der Leute.
Hans Siebert
Und sagt man was zu eurer Musik? Blumen des Bösen hört sich ja ziemlich eindeutig an, aber ist bei euch ja nicht eindeutig, oder?
Eddie
Also ich habe mit dem Namen eigentlich fast gar nichts am Hut, ich bin eigentlich nur so seit kurzem dabei, spiele in einer anderen Band auch mit, aber habe ich jetzt hier noch angeschlossen und mit dem Namen und mit der Gründung der Band habe ich eigentlich gar nichts am Hut, gar nichts zu tun. Die stammte eigentlich von den Leuten.
Hans Siebert
Also der Name war sicher ein... Kleiner Gag oder Witz oder Zufall?
Severin
Gag möchte ich nicht sagen, Zufall auch nicht unbedingt. Das war damals einfach mein Lieblingsbuch. Danach haben wir uns benannt und der Name ist einfach geblieben. Und inzwischen macht es mir eigentlich Spaß, wenn die Leute fragen, seid ihr eine Grufti-Band? Ganz einfach, weil die Schubladen ein bisschen zerbrochen werden müssen. Und dann macht es gerade Spaß, für Gruftis gehalten zu werden.
Hans Siebert
Ein bisschen grufti ist doch nicht schlecht, oder?
Severin
Das kommt darauf an, was du in der Gruft machst.
Severin
Gepflegten Wein trinken in der Gruft, warum nicht?
Hans Siebert
Ja, stimmt. Und ihr seid ziemlich am Schluss dran, oder?
Eine Stimme
Wir sind die Fünften.
Hans Siebert
Die Fünften. Okay, und habt ihr schon irgendwo einen besonderen Auftritt gehabt, ein besonderes Erlebnis beim Auftritt oder was Lustiges oder Aufregendes?
Severin
Nur besondere Auftritte. Wir zahlen nämlich immer drauf. Ach, das ist hinterher immer die... Ich weiß was Besonderes, aber ansonsten besondere Auftritte nicht. Wir haben eine Platte gemacht, für die werbe ich jetzt hier mit.
Hans Siebert
Ah gut, und die heißt?
Severin
Kein Tag ohne Revolution. Wer jetzt an Politik und fliegende Steine denkt, sollte besser wegschauen.
Hans Siebert
Ah ja. Und ihr singt Deutsch?
Eine Stimme
Ja.
Hans Siebert
Und wer macht die Texte?
Eine Stimme
Also überwiegend er.
Hans Siebert
Und ist es auch wichtig für dich, dass die Texte verstanden werden?
Severin
Ich weiß, dass sie nicht verstanden werden, aber ich schreibe nicht, um verstanden zu werden. Ich bin niemand, der will, dass die Massen betroffen sind und sie irgendwie bekehren, weil ich bin kein Apostel.
Hans Siebert
Manche Bands verteilen ja, haben wir schon erlebt, Textblätter davor. Wie findest du das?
Severin
Ganz nett, aber ich glaube, es ist... Nicht allzu viel Sinn. Das wird zertrampelt oder einfach noch als Schmierpapier benutzt. Wenn jemand wirklich den Text haben will, kann er mich fragen. Und ich schicke ihm was zu oder sowas. Aber das ist einfach massenhaft zu verteilen.
Martin
Die Texte, die er schreibt, muss man wirklich auch nachdenken. Das ist nicht irgendwie so, dass man es so runterliest. Schön, jetzt kann ich mitsingen. Das ist nicht irgendwie so lalala-mäßig. Das könnten jetzt die Fußgänger vorstellen, die den Text extra verteilen.
Severin
Musik und Text ist eine schöne Einheit.
Hans Siebert
Und Nargold, wie findet ihr das? Habt ihr schon mal was von unserem Jugendhaus gehört? Oder ist das total unbekannt?
Severin
Ja, schon vor längerem. Wir haben ja schon vor längerem angerufen. Und wir hätten ja schon fast vor ein paar Jahren mitgespielt, wo wir noch einen anderen Gruppennamen hatten. Das ist damals leider irgendwie nichts geworden.
Hans Siebert
Also habt ihr heute Lust hier zu spielen und Spaß?
Severin
Auf jeden Fall. Das ist mein erstes Konzert bis jetzt, wo ich nicht nervös bin.
Hans Siebert
Zeig mal. Also wünsche ich euch viel Spaß, viel Glück. Und vielleicht mal wieder.
Woher das kommt
Jugendzentrum Nagold, Battle of the Bands, 3. Juli 1993 — 38 Redebeiträge von Hans Siebert, Marty, Eddie, Severin, Martin und einer weiteren Stimme, die niemand beim Namen nennt.
Abgeschrieben hat den Film eine Maschine (MonoWhisper/WhisperX), nicht ein Mensch. Am 18. September 2026 hat Severin Schöllhammer sie gegen den Film gehalten und acht Stellen berichtigt. Was er nicht genannt hat, steht weiter so da, wie die Maschine es erkannt hat — etwa „Nargold“ für Nagold.
Die Stimmen hat die Maschine getrennt, benannt sind sie aus dem Gespräch selbst: Hans Siebert führt die Fragen und spricht von „unserem Jugendhaus“; Marty bestätigt auf die Frage, sie sei die Sängerin; Severin nennt das Buch, nach dem die Band heißt, und wird als der genannt, der die Texte schreibt. Zwei weitere Stimmen hat Severin Schöllhammer beim Gegenhören benannt: Eddie Stehblau, der „seit kurzem dabei“ ist und noch in einer anderen Band spielt, und Martin Ullmann, der Gitarrist der ersten Jahre — nicht Martin „Kaktus“ Roeder, der erst 1998 dazukam. Drei kurze Beiträge bleiben ohne Namen, weil sie niemand nennt.
An zehn Stellen hatte die Maschine die Rolle vertauscht und eine Frage des Interviewers der Band zugeschrieben oder umgekehrt; das ist von Hand berichtigt. Berichtigt ist dabei nur, was sich aus der Rolle ergibt — wer genau antwortet, steht dort, wo es unklar ist, ohne Namen.
Der Film selbst liegt im Videoarchiv und ist am Konzerttermin verlinkt.