Boot Murder News, Nr. 3
Interview · Januar 1995
„Interpretationen verstümmeln den Inhalt!“
Das ausführlichste Gespräch aus der Zeit. Es nennt die Hörgewohnheiten aller vier — Arno Dark Wave, Punk, Ska und Reggae; Martin Dark Wave, Punk, Gitarrenpop, NDW und Sechziger; Severin Garagenpunk, alten New Wave, Hardcore, Hörspiele und, mit zwei Fragezeichen versehen, dekadente Schlager; Marty die Cranberries, Sugarcubes, EA 80, Mo-Dettes, Girls At Our Best, Raincoats und Slits. Die Texte seien bewußt auf deutsch und spanisch geschrieben, den Muttersprachen, und handelten von Selbsterlebtem und Selbstkritischem — „Die Welt unterm Mikroskop!“ Auf die Frage, was sie anders machen würden, antwortete die Band: reiche Eltern haben, einen Proberaum um die Ecke statt einer Stunde Fahrt, und die Fehlversuche bei Schlagzeugern aussparen. „Wir hätten uns einfach früher finden sollen!“ Dieselbe Ausgabe druckt eine Preisliste: das Demo von 1992 für sieben Mark, die 7“ von 1993 und das Tape von 1994 für je acht, drei Titel zusammen für siebzehn — Porto inbegriffen. Die CD sollte im April 1995 erscheinen und ungefähr 25 Mark kosten. Angekündigt wird sie dort noch als Zwölftonner; erschienen ist sie mit fünfzehn Stücken. Und sie ist die Quelle für das zweite Gründungsdatum der Band: „Nach 10jährigem Bestehen (Gründung 20. Nov. ’84), unzähligen Umbesetzungen & Namensänderungen, 3 Demos & 1 Single“ erscheine nun die Debüt-CD; Severin Schöllhammer spricht dort von „10 Jahren Glaube an die Unmöglichkeit“ der eigenen Musik. Das ist kein Widerspruch zum Juni 1992, sondern die längere Rechnung — der 20. November 1984 ist der Tag, seit dem Martin Ullmann und Severin Schöllhammer zusammen Musik machten. Beide Zahlen stimmen, sie zählen nur Verschiedenes.