Wüste Welle
Interview · 3. Oktober 1995
„„In dem Dorf, wo wir herkamen, war wirklich nichts los, und dieses Konsumverhalten war uns dann doch zu langweilig. Wir wollten irgendwas selber machen.“ — Und auf die Frage nach der Schublade: „Ganz klar Punk.“ — „Deutsch-Punk, Raw-Punk, Fuzzcore-Punk? Welche genauer?“ — „Blumen-Punk.““
Die Band zu Gast im Freien Radio Wüste Welle in Tübingen, in der Besetzung mit Arno Ritter, Severin Schöllhammer, Martin Ullmann und Bernd Mall — wenige Monate nach dem Erscheinen von „Übermut werde Spaten“. Weil Radio niemanden zeigt, beschreiben sich die vier zu Beginn gegenseitig. Danach: warum man in einem Dorf eine Band gründet, dass es ein Jahr gedauert habe, bis sie selbst an ihre Sache glaubten, zehn Tage Studio von morgens bis abends für das Album — und die Erklärung des Titels in vier Worten. Auf der Platte stehen erstmals Texte von mehreren; auf der EP hatte sie noch alle Severin Schöllhammer geschrieben. Die Abschrift stammt von einer Maschine und ist nicht gegengehört. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, steht mit einiger Wahrscheinlichkeit Liedtext statt Rede; Liedtitel und Namen versteht die Maschine besonders oft falsch.
Wüste Welle
Interview · 2. September 1997 · Captain Gallina
„„Wir hatten seit Längerem ein Problem mit unseren Schlagzeugern, wir haben ständig gewechselt und hatten irgendwann mal die Nase voll — keine Lust mehr auf das Drama, immer wieder jemanden einzuspielen, um ihn dann wieder zu verlieren. Unsere Lösung war dann einfach eine Maschine. Leider, muss ich sagen, weil eigentlich ein Mensch uns lieber gewesen wäre — aber inzwischen würden wir auch nicht mehr zurück wollen. Die Maschine hat ihren Vorteil: Sie ist pünktlich, sie ist perfekt und auch so klein und handlich. Das einzige Problem ist, sie redet ein bisschen wenig.““
Fast zwei Jahre nach dem ersten Besuch, „exakt vor 100 Sendungen“, wie der Moderator sagt. Von der damaligen Besetzung sind nur noch zwei übrig — „genau, wir sind die Veteranen“. Das Gespräch hält den ganzen Umbruch fest: Kornel Lapon am Saxophon, der seine Vorbilder in der älteren Jazz-Ecke hat und mit Punk „wenig am Hut“; Waldek Kopeć an der Gitarre, Autodidakt, der den Punk aus Polen mitbringt; und der Drumcomputer Nox. Dazu die Pläne: 13 bis 14 Stücke, in drei Wochen im Studio, eventuell bei Matatu Records in Gera, das auch die erste CD als Picture-Disc neu auflegen will. Über das Ende von Kaktus Records sagt Severin Schöllhammer: „Pleite ist übertrieben. Es ist wohl eher auch die Lust und die Zeit ausgegangen.“ Auf der zweiten Kassettenseite spielt die Band live im Studio „Oktober“, kündigt die Split-Single mit den nordirischen Holsteins an und erzählt, dass alle vier Vegetarier sind. Die Abschrift stammt von einer Maschine und ist nicht gegengehört. Wo ein Lied in das Gespräch hineinreicht, steht mit einiger Wahrscheinlichkeit Liedtext statt Rede; Liedtitel und Namen versteht die Maschine besonders oft falsch.